Muckel

| männlich, benötigt Freilauf |01

Muckel lebte mindestens zwei Jahre unversorgt am Rande einer Schrebergartensiedlung. Er hatte starken Schnupfen, viele kahle Stellen am ganzen Körper, starke Verfärbungen im Fell, und er schien sich nicht gut zu pflegen. Eine Dame erbarmte sich seiner, weil er krank und hilfsbedürftig aussah. Sie bat ihm Futter an, welches er auch sofort dankbar annahm. Nur anfassen ließ er sich zunächst nicht, auch wenn er nach einigen Wochen der Dame nicht mehr von der Seite wich, wenn sie im Garten war. Da er weiterhin krank aussah und seine Augen inzwischen stark gerötet waren, nahm die Dame Kontakt mit uns auf und wir beschlossen, ihn einzufangen und einem Tierarzt vorzustellen. Die dazu notwendige Narkose nutzen wir selbstverständlich gleich zur Kastration und zu einer umfangreichen Blutuntersuchung, denn wir rechneten aufgrund seines schlechten Allgemeinzustandes mit dem Schlimmsten. Zum Glück waren die Organwerte alle in Ordnung, und er wurde auch wider Erwarten negativ auf Katzenaids (FIV) und Katzenleukose (FeLV) getestet, jedoch ergab der Augenabstrich eine massive Infektion mit Chlamydien. Die Tatsache, dass die Infektion über viele Monate unbehandelt geblieben war, hatte Muckel stark geschwächt, da aber die Chance auf eine Gesundung bestand, erklärte sich eine ehrenamtliche Helferin bereit, ihn für einige Wochen in ihrem Bad in Quarantäne unterzubringen, wo er regelmäßig seine Medikamente bekommen konnte – eine Notwendigkeit, die leider in dem Schrebergarten nicht gewährleistet werden konnte.

Da er außerdem einen starken Befall mit Sarkoptes-Milben hatte, war die Unterbringung in einer sauberen Umgebung auch medizinisch und logistisch die einzig sinnvolle Möglichkeit, ihm die Chance auf ein gesundes Leben zu ermöglichen. Da er im Schrebergarten schon recht gut Kontakt mit zwei Schrebergärtnern aufgenommen hatte, ihnen um die Beine ging und sich von ihnen auch vorsichtig anfassen ließ, hatten wir außerdem die berechtigte Hoffnung, dass er vielleicht vermittelbar war.

Leider kam es anders. Es wurden schwere Wochen für Muckel und auch für die Pflegerin, denn Muckel wollte partout keinen Kontakt, ließ sich die vielen Wochen über nie anfassen, sondern reagierte auf Annäherungsversuche mit Frauchen, Knurren und Rückzug. Trotzdem gelang es der Pflegerin, ihm regelmäßig sein Antibiotikum zu geben und seine Augentropfen reinzuträufeln.

Als er nach abgeschlossener Behandlung Wochen später wieder in den Schrebergarten kam, schloss er sich nach nur einem Tag sofort wieder seiner Betreuerin an und wandelte sich nach wenigen Tagen zum absoluten Schmusekater, der gar nicht mehr von ihrem Schoß zu kriegen war. Auch zwei weitere Schrebergärter können ihn inzwischen streicheln. Durch die Fortsetzung der Milbenbehandlung, der fortgesetzten hochwertigen Ernährung und die tägliche Gabe von Hanföl hat sich inzwischen auch sein Allgemeinzustand deutlich verbessert: seine Wunden sind abgeheilt, die Haut nicht mehr gerötet, das Fell ist an den betroffenen Stellen nachgewachsen, die Augen sind nicht mehr gerötet oder verkrustet und sein Chlamydien-bedingter Schnupfen hat sich so gut gebessert, dass er entweder gar nicht oder nur noch sporadisch, z.B. bei Wetterwechsel niest.

Die Betreuerin versorgt Muckel nun täglich im Schrebergarten und schmust mit ihm, und für den Winter hat er eine warme Styrokiste mit Stroh. Leider wird diese „Idylle" dadurch getrübt, dass er fast wöchentlich von einem aggressiven Revierkater Verletzungen zugefügt bekommt, und zudem muss die Betreuerin den Garten krankheitsbedingt zum Ende der nächsten Gartensaison aufgeben. Schon jetzt ist sie körperlich eingeschränkt, aber außer ihr gibt es niemanden, der bis in den späten Herbst hinein auf dem Gartengelände ist, geschweige denn sich bereit erklärt, Muckel auch im Winter täglich zu versorgen.

Wir suchen deshalb perspektivisch ein neues Zuhause für Muckel, der inzwischen auch Besuchern viel offener gegenübersteht, und den man auch als Fremder inzwischen schon vorsichtig anfassen kann, wenn er einen ein paar Mal gesehen hat. Er ist ein sehr anhänglicher und verschmuster Kerl, der sehr darunter leidet, dass seine Bezugsperson nicht häufiger bei ihm sein kann! Er wird sich langfristig auch gut in einem neuen Zuhause einleben, wenn man ihm eine lange Eingewöhnungszeit und viel Freiraum gibt, der es ihm ermöglichst, sich in seinem eigenen Tempo den Menschen anzuschließen. Vor einer Vermittlung müssten die neuen Dosenöffner zwingend mit ihm im Schrebergarten Kontakt aufgenommen haben, damit er sie schon positiv einordnen kann, bevor er ins neue Zuhause einzieht. Andernfalls ist es gut möglich, dass er wieder in eine Abwehrhaltung verfällt und  - wie seinerzeit in der Pflegestelle – niemanden an sich ran lässt.

In seinem zukünftigen Zuhause sollte man im Umgang mit scheuen oder verwilderten Katzen Erfahrung haben, da Muckel nach einer Eingewöhnungszeit zwar mit Sicherheit ein Schmusekater wird, aber weiterhin Besonderheiten im Umgang zeigen wird (wie z.B. vermutlich eine starke Schreckhaftigkeit und Skepsis allem Fremden gegenüber) und aufgrund seiner  hochgradigen Aggressivität beim Tierarztbesuch vermutlich auf längere Sicht nicht ohne Narkose behandelbar ist.

Interessenten aus dem Raum Kassel lesen sich bitte zunächst unsere Vorabinformationen zum Vermittlungsablauf (Bedingungen, Vorge-hensweise, Schutzvertrag & Schutzgebühr) durch und wenden sich bei weiterem Interesse an unsere Vermittlungshotline: 05673-9954770 oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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